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Tajfel Henri und seine Theorie über soziale Identität

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Identität aus der Sicht sozialer Beziehungen

Portrait von Tajfel / Quelle EPoCH

Henri Tajfel - Quelle EPoCH OU

Der zweite Weltkrieg brachte viele Psychologen dazu, über soziale Beziehungen nachzudenken. Henri Taijfel war einer von ihnen und betrachtete Identität vor allem im sozialen Kontext im Gegensatz zu den Theorien von Erikson oder dem sozialen Konstruktionismus der Identität.
Er unterschied die Beziehungen zu engen Verwandten und Freunden und die Zugehörigkeit einer unübersehbaren Gruppe wie Nationalität, Rasse oder Religion. Dabei sieht er Identität als eine durch soziale Beziehungen geformtes Selbst, wir definieren uns über Leute die wir kennen und mit denen wir etwas gemeinsam haben.
Gruppenzugehörigkeit und Abschottung zu anderen, die nicht zur Gruppe gehören, zeichnen diese Theorie aus. Wir vergleichen uns mit anderen, sehen Ähnlichkeiten wie Unterschiede und reihen uns in bestimmte Gruppen selbst ein, zu denen wir gehören wollen.

Tajfel und Kollegen experimentierten

Das Experiment von Tajfel und Kollegen wurde mittlerweile zum Klassiker der Psychologie. Sie nahmen Jugendliche und teilten sie per Zufallsprinzip in zwei Gruppen. Für die Einteilung mussten sie aus zwei Bildern von Klee oder Kandinsky wählen, welches ihnen besser gefiele. Sie mussten dann jeweils Punkte vergeben:

  • zwischen zwei Mitglieder aus der eigenen Gruppe
  • zwei Mitglieder aus der anderen Gruppe
  • zwischen einem Mitglied aus der eigenen und einem der anderen Gruppe

Fairness bis es einen selbst betrifft

Was die Forscher bei der Auswertung sehen konnten war, dass die Jugendlichen bei der Bewertung zwischen gleichen Mitgliedern immer fair waren und es keine signifikanten Unterschiede gab. Jedoch bei der letzten Beurteilung, wo Mitglieder aus den zwei unterschiedlichen Gruppen zur Auswahl standen, bevorzugten die Mitglieder ihren Kandidaten. Selbst als es keinen Vorteil für die eigene Gruppe dabei heraus kam, wählten die Gruppenmitglieder ihren Kandidaten und nahmen jede Gelegenheit war, entweder die eigene Gruppe zu bevorzugen oder die Mitglieder der anderen Gruppe zu diskriminieren und zu schädigen.

Wie sieht es außerhalb des Labors aus?

Die Unterscheidung in zwei Gruppen nach dem Geschmack von Bildern mag trivial sein, doch kann man das Verhalten durchaus auf gesellschaftliche Strukturen anwenden. Auch in dieser gibt es soziale Schichten, selbst wenn vor dem Gesetz alle gleich sind. “Anscheinend” würde ich ja gern hinzufügen…! Jedenfalls werden die unterlegenen Schichten immer versuchen, ihre Position zu verbessern. Es wird einzelne Menschen geben, die ihre Situation verändern möchten. Es gibt zwei Wege, einerseits kann die Gruppe ihre Beurteilung verändern, indem sie die Ansichten und Vorurteile ausräumt. Der andere Weg ist die tatsächliche Veränderung von Ungleichheiten, wie das Wahlrecht für Frauen oder die noch immer nicht praktizierte gleiche Bezahlung für gleiche Qualifikation.

Man fasse sich selbst an die Nase

Das Thema der sozialen Zugehörigkeit und Identität bietet wiederum einige interessante Überlegungen über sich selbst. In welchen Vereinen ist man aktiv, zu welchen Gruppierungen fühlt man sich hingezogen. Hat man selbst deswegen Vorurteile gegen andere Gruppen, die vielleicht in Konkurrenz stehen? Weit verbreitet ist immer noch das Hierarchiedenken in Betrieben und Firmen, leider muss ich da direkt hinzufügen. Nicht selten habe ich es schon erlebt, wie sich manche für was Besseres hielten, weil sie einen Meisterbrief haben. Etwa 75 Prozent aller Angestellten mögen ihre Arbeit nicht, es wird höchste Zeit, dass man sich mehr wertschätzt, anstatt aufgrund von Gruppenzugehörigkeit gegeneinander agiert. Ich schätze, das Bestreben einzelner Personen “besser als Andere” sein zu wollen ist mächtiger.

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