Das Experiment von Tajfel und Kollegen wurde mittlerweile zum Klassiker der Psychologie. Sie nahmen Jugendliche und teilten sie per Zufallsprinzip in zwei Gruppen. Für die Einteilung mussten sie aus zwei Bildern von Klee oder Kandinsky wählen, welches ihnen besser gefiele. Sie mussten dann jeweils Punkte vergeben:
Was die Forscher bei der Auswertung sehen konnten war, dass die Jugendlichen bei der Bewertung zwischen gleichen Mitgliedern immer fair waren und es keine signifikanten Unterschiede gab. Jedoch bei der letzten Beurteilung, wo Mitglieder aus den zwei unterschiedlichen Gruppen zur Auswahl standen, bevorzugten die Mitglieder ihren Kandidaten. Selbst als es keinen Vorteil für die eigene Gruppe dabei heraus kam, wählten die Gruppenmitglieder ihren Kandidaten und nahmen jede Gelegenheit war, entweder die eigene Gruppe zu bevorzugen oder die Mitglieder der anderen Gruppe zu diskriminieren und zu schädigen.
Die Unterscheidung in zwei Gruppen nach dem Geschmack von Bildern mag trivial sein, doch kann man das Verhalten durchaus auf gesellschaftliche Strukturen anwenden. Auch in dieser gibt es soziale Schichten, selbst wenn vor dem Gesetz alle gleich sind. “Anscheinend” würde ich ja gern hinzufügen…! Jedenfalls werden die unterlegenen Schichten immer versuchen, ihre Position zu verbessern. Es wird einzelne Menschen geben, die ihre Situation verändern möchten. Es gibt zwei Wege, einerseits kann die Gruppe ihre Beurteilung verändern, indem sie die Ansichten und Vorurteile ausräumt. Der andere Weg ist die tatsächliche Veränderung von Ungleichheiten, wie das Wahlrecht für Frauen oder die noch immer nicht praktizierte gleiche Bezahlung für gleiche Qualifikation.
Das Thema der sozialen Zugehörigkeit und Identität bietet wiederum einige interessante Überlegungen über sich selbst. In welchen Vereinen ist man aktiv, zu welchen Gruppierungen fühlt man sich hingezogen. Hat man selbst deswegen Vorurteile gegen andere Gruppen, die vielleicht in Konkurrenz stehen? Weit verbreitet ist immer noch das Hierarchiedenken in Betrieben und Firmen, leider muss ich da direkt hinzufügen. Nicht selten habe ich es schon erlebt, wie sich manche für was Besseres hielten, weil sie einen Meisterbrief haben. Etwa 75 Prozent aller Angestellten mögen ihre Arbeit nicht, es wird höchste Zeit, dass man sich mehr wertschätzt, anstatt aufgrund von Gruppenzugehörigkeit gegeneinander agiert. Ich schätze, das Bestreben einzelner Personen “besser als Andere” sein zu wollen ist mächtiger.
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