logo

Die evolutionäre Psychologie kommt Darwin auf die Spur

logo

Von der Entwicklung zum Verhalten, eine mehrdeutige Ansicht

Hatte Darwin in seinem bekannten Buch „Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl“ noch die ganze Welt im Blickfeld, beschränkt sich die Evolutionspsychologie im Kern auf das Verhalten von Menschen. Die Bezeichnung lässt schon eine speziellere Erklärung vermuten. Nicht was jemand momentan mit einem bestimmten Zweck verbindet ist den Evolutionspsychologen wichtig, sondern warum wir bestimmte Verhaltensweisen und Fähigkeiten im Laufe der Zeit überhaupt entwickelt haben. Genau diese Sicht auf Verhalten unterscheidet die Evolutionspsychologe von anderen Disziplinen innerhalb der Psychologie.

Forschung mit Rückschlüssen

Wie die Evolutionspsychologie auf ihre Ergebnisse und Aussagen kommen, klingt beim ersten Hören oder Lesen wohl sehr waghalsig. Sie können ja schlecht in die Vergangenheit reisen und dort beobachten, wie Menschen zu Sprechen begonnen haben oder aus direkten Beobachtungen beweisen, wie sozial unsere Vorfahren waren. Bei der Forschung begnügt man sich also mit

  • archäologischen Funden,
  • der Genetik und
  • Untersuchungen an Primaten.

Evolutionspsychologen sammeln aus verschiedenen Disziplinen und Quellen und setzen die Ergebnisse zusammen. Daraus ergibt sich ein Bild, wie sich die Entwicklung ergeben haben muss und welche Gründe es für den Wandel gab.

Es mag vielleicht den Anschein erwecken, als sei dies eine sehr schwammige oder Unzuverlässige Art und die Aussagen der evolutionären Psychologie seien daher nicht ganz so beweiskräftig. Die Argumentation überlasse ich niemand geringerem als Sigmund Freud, der auf seine eindrucksvolle Art Partei ergreifen soll:

„… Gibt es nicht sehr bedeutungsvolle Dinge, die sich unter gewissen Bedingungen und zu gewissen Zeiten nur durch ganz schwache Anzeichen verraten können? Ich könnte Ihnen mit Leichtigkeit mehrere solche Situationen anführen. Aus welchen geringfügigen Anzeichen schließen Sie, die jungen Männer unter Ihnen, dass Sie die Neigung einer Dame gewonnen haben? Warten Sie dafür eine ausdrückliche Liebeserklärung, eine stürmische Umarmung ab, oder reicht Ihnen nicht ein von anderen kaum bemerkter Blick, eine flüchtige Bewegung, eine Verlängerung des Händedrucks um eine Sekunde aus? Und wenn Sie als Kriminalbeamter an der Untersuchung einer Mordtat beteiligt sind, erwarten Sie dann wirklich zu finden, dass der Mörder seine Photographie samt beigefügter Adresse an dem Tatorte zurückgelassen hat, oder werden Sie sich nicht notwendigerweise mit schwächeren und undeutlicheren Spuren der gesuchten Persönlichkeit begnügen? Lassen Sie uns also die kleinen Anzeichen nicht unterschätzen; vielleicht gelingt es, von ihnen aus Größerem auf die Spur zu kommen. …“

gezeichnetes Bild von Charles Darwin

Charles Darwin - Quelle EPoCH

Charles Darwin, seine natürliche Zuchtwahl und was er wirklich gesagt hat

Bei Darwin ist das bekannte Übel ja, dass er oft falsch verstanden wird. Ich habe mal gelesen, dass die falsch verbreitete Aussage Darwins aus der Zeit des späten 19. Jahrhunderts stammt. Da war es für Politiker höchst willkommen, das Recht des Stärkeren zu propagieren. Charles Darwin selbst war von dem Mißbrauch so erschüttert, dass er etwa 10 Jahre nach seinem Buch „Über die Entstehung der Arten“ ein zweites Buch über sexuelle Selektion schrieb, indem er Zuneigung, Liebe und Gemeinschaftssinn als entscheidendere Mittel als Egoismus darstellte. Noch heute kommt aber der Irrglaube, ein von Darwin nie konstatiertes „Recht des Stärkeren“, in die Köpfe der Menschen. Was ist also dran und wie verhält sich das richtig, was meinte Darwin wirklich?

Nun, er ging einfach mit offenen Augen durch die Welt und sah die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Welt. Ein anderer Forscher, Wallace, macht unabhängig von Darwin die gleichen Entdeckungen und stellte die gleichen Vermutungen auf. Wie auch immer, die Übersetzung „Survival of the fittest“ mit dem Recht des Stärkeren trifft nicht zu. Vielmehr hat Darwin aus seinen Beobachtungen geschlossen, dass sich Lebewesen an ihre Umwelt anpassen, um an Nahrung und Ressourcen zu kommen und dass sich das Lebewesen bewährt, das sich am besten an seine Umgebung anpasst.
Das ist auch der springende Punkt. Wie verhält man sich richtig in seiner Umgebung! Wer sieht in der Anpassung an seine Umwelt nun ein „Recht des Stärkeren“, andere Leute zu diskriminieren und zu demütigen?

Noch ein Wort zu sozialem Verhalten in diesem Kontext. Das Recht des Stärkeren sollte nun endgültig der Geschichte angehören, als ein Versehen, eine Täuschung. An die Umwelt anpassen bedeutete früher und auch heute noch, sich sozial zu verhalten. Jeder braucht einen Arzt wenn er krank ist, einen Pfleger, wenn man alt ist. Jemanden, der Essen in die Supermarktregale stellt und auch jemanden, der den Müll entsorgt.

Wir leben inmitten einer riesigen Gemeinschaft mit gegenseitigem Geben und Nehmen. Selbst Ureinwohner im Dschungel leben in einer Gruppe. Das sollte man sich mal durch den Kopf gehen lassen und sich überlegen, was sich daraus an Rückschlüssen für das eigene Handeln ergibt!

Buchempfehlungen für Interessierte:

Kein Kommentar zu “Die evolutionäre Psychologie kommt Darwin auf die Spur”

  1. […] geht es nach der ersten TMA nun mit der Evolutionspsychologie. Ich habe darüber schon an früherer Stelle geschrieben, weil ich keine richtige Ordnung eingehalten habe. Der Kommentar am Ende des Kapitels […]

Einen Kommentar hinterlassen

logo
logo
Die Open University | Kurssystem | Finanzen | Der Schreiberling | Finanzen |
© Schweizer Consulting | Impressum