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Das Thema Charakter und Persönlichkeit zeigt die Unterschiede vom Alltag zum Studium

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Von Menschenkenntnis zur gesicherten Theorie

“Ich habe auch Psychologie studiert. In meinem Beruf habe ich die Menschen genau kennengelernt“. „Wozu sollte man Psychologie studieren? Mit einem gewissen Alter kennt man die Menschen“.
Solche oder ähnliche Sätze höre ich öfter und mir fällt es schwer, ein Lächeln zu verbergen. Ich lasse einen Menschen aus meiner Fantasie zu Wort kommen: „Ich habe ein Ingenieursstudium. Das habe ich in meiner privaten Werkstatt absolviert, dadurch, dass ich seit 30 Jahren Autos repariere.“ Ist das diese Aussage nicht vergleichbar? 🙂

Dass jemand eine sehr gute Menschenkenntnis besitzt, das mag sein und gebe ich gern zu. Ohne Studium ist dies auch möglich, es gibt genügend, die sich sehr detailliertes Wissen anlesen und sich, genauso wie ich 10 Jahre vor meinem Studium, mit Psychologie beschäftigen.

Aber allein aus dem Umgang mit anderen Menschen im Alltag eine eigene „Theorie zusammenbasteln“ und es als gleichwertig einem richtigen Studium oder intensiver Beschäftigung mit Literatur anzusehen, das ist nur in der Psychologie möglich, ohne als absurd zu gelten.

Psychologen lernen diese Laientheorien als implizite Persönlichkeitstheorien kennen. Der Begriff schließt auch die gewöhnlichen Ansichten ein, wie Menschen sich ohne Fachvokabular Verhalten erklären, wie man sich und andere Leute im Alltag beschreibt und sieht.

Struktur der Persönlichkeit

Hierarchische Struktur der Persönlichkeit

Momentane und langfristige Eigenschaften

Die erste Unterscheidung können wir mit dem Auftreten von Verhalten machen. Wir kennen das von uns selbst: Es gibt Situationen, da verhalten wir uns nicht so wie sonst. Beim Sport treiben, wenn wir zu viel Stress haben oder aus anderen Situationen. Gemeinsam ist, dass unser Verhalten kurzfristig auftritt.
So haben wir eine gewisse Ansicht von uns selbst, ein Selbstbild. Differenzieren wir weiter über Persönlichkeit, sehen wir, dass wir eine langfristige Verhaltensweise haben, also langfristig aussagen können, wie wir uns verhalten.

Aus oft vorkommendem Verhalten entwickeln wir eine langfristige Aussage und schreiben uns eine stabilere Eigenschaft zu, die wirklich „zu uns“ passt. Wir sind verlässlich, pünktlich, zuverlässig, wenn wir das oft und meistens sind. Sind wir unpünktlich, dann sagen wir „normal bin ich nicht so“, obwohl wir meinen, dass wir diese Eigenschaft an uns eigentlich nicht kennen und nicht haben möchten!

Unsere Eigenschaften ordnen sich in eine Art Hierarchie ein, die von kurzfristig im Alltag über langfristige Einstellungen geht. Tiefer, in Form einer Hierarchie höher, liegen noch Bewusst im expliziten Gedächtnis und Unbewusst im impliziten Gedächtnis. Das bedeutet, ob wir uns unserer Eigenschaften klar sind oder nicht. So baut sich eine differenzierte Ansicht zu Personen auf.

Ganz interessant und schon sehr anders, als eine reine Menschenkenntnis, mit der wir erahnen, welche Absichten jemand verfolgt. Dies ist auch nur ein ganz geringer Teil der Psychologie, neben vielen anderen Bereichen. Das sage ich, um diesem „Ich habe auch Psychologie studiert…“ seinen richtigen Platz zu zeigen! 🙂

Mit Vorsicht zu genießen!

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  1. […] und idiografische Sichtweise mit ein und stellte Dimensionen der Persönlichkeit vor. Mit der Unterscheidung von Alltag und Studium zeigte ich dann deutlich, dass Menschenkenntnis nur ein geringer Teil der Psychologie ist und eine […]

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